Archiv der Kategorie: Projektnews

„Im Takt der Region“: Informationsveranstaltung der Stadt Flensburg und des Projekts Lebenszeit 4.0 zur Vereinbarkeit zeitlicher Herausforderungen in der Region

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg und das Projekt Lebenszeit 4.0 luden am 3. November zur Veranstaltung „Im Takt der Region“, um das Projekt kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region näher zu bringen und den Nutzen einer Kooperation mit den unterschiedlichen Projektpartnern zu verdeutlichen. Im gemütlichen Ambiente des Flensburger Schifffahrtmuseums referierten zunächst zwei Gäste aus Thematisch verwandten Modellprojekten in anderen Regionen Deutschlands.

Frau Dr. Silke Eilers stellte Ergebnisse aus dem Projekt zeitreich (http://projekt-zeitreich.de/) vor, welches sich mit der Zufriedenheit von Arbeitnehmern mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen und der sozialpartnerschaftlichen Moderation von betrieblichen Arbeitszeitkonflikten in unterschiedlichen Branchen befasst.

Im zweiten Vortrag berichtete Anja Dornblüth-Röhrdanz aus ihrer mehr als 10-jährigen Erfahrung mit dem Thema Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben in Mecklenburg-Vorpommern und spannte den Bogen – ebenfalls ausgehend von der betrieblichen Arbeitszeitpolitik – bis hin zu verschiedenen kommunalen Handlungsfeldern.

Abschließend stellte Prof. Wenzel Matiaske die Übertragbarkeit der vorgestellten Erkenntnisse auf das Projekt Lebenszeit 4.0 vor und betonte die Bedeutung der Vernetzung unterschiedlicher Akteure in der von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Stadt Flensburg.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für die anregende Diskussion und das Interesse am Projekt.

Sind Eltern schon bei Ankunft am Arbeitsplatz erschöpft? Wie sich morgendliche Erlebnisse auf Wohlbefinden und Arbeitsleistung auswirken

In der „Rush Hour“ des Lebens pendeln berufstätige Eltern täglich zwischen den Bereichen Familie und Arbeit. Ob die Balance der beiden Aufgabenfelder gelingt oder zur Doppelbelastung wird, hängt zum Großteil davon ab, wie ressourcen- oder stressreich sie wahrgenommen werden. Das Teilprojekt „Zeitkonflikte und Gesundheit“, das von der Medical School Hamburg im Rahmen des BMBF geförderten Projektes Lebenszeit 4.0 durchgeführt wird, hat sich dabei unter Leitung von Prof. Jan Dettmers einem Aspekt gewidmet, der bisher kaum Beachtung fand: Der Einfluss morgendlicher Erlebnisse in der Familie und auf dem Anfahrtsweg. Im Gegensatz zu kinderlosen Arbeitnehmern sind berufstätige Eltern vor Ankunft am Arbeitsplatz mit der täglichen Kinderbetreuung konfrontiert. Diese kann sowohl Zeitstress auslösen, aber auch positive Erlebnisse beinhalten. Fördert das morgendliche Familienleben Ressourcen wie etwa eine positive Stimmung, ist man auch auf Arbeit entspannter und kann den anstehenden Aufgaben konzentrierter nachgehen (Conservation of Resources Theory; Hobfoll 1989, 2002). Morgendliche Stressoren bewirken das Gegenteil: Um sie zu kompensieren, müssen Ressourcen eingesetzt werden, die dann zur Erfüllung der Arbeitsaufgaben fehlen.

 Um diese Annahmen zu testen, wurde im Rahmen des Lebenszeit 4.0-Projektes eine Tagebuchstudie in Hamburg durchgeführt. Insgesamt haben rund 120 arbeitende Eltern über fünf Tage hinweg je viermal täglich einen Fragebogen ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Erschöpfung zwischen dem Aufwachen und der Ankunft auf Arbeit an Tagen, die besonders viele Stressoren am Morgen bereithalten, deutlich höher ist als an weniger stressreichen Tagen. Die Stressoren wirken sich zudem negativ auf die Stimmung aus. Viele Ressourcen in der Familie und auf dem Anfahrtsweg hingegen führen dazu, dass sich die Stimmung bei Ankunft auf Arbeit besser ist als an Tagen, an denen weniger Ressourcen erlebt werden. Die Studie wies außerdem nach, dass sowohl die Stimmung als auch der Grad an Erschöpfung bei Ankunft am Arbeitsplatz die Arbeitsleistung beeinflussen. Startet der Arbeitnehmer gelassen und erfrischt in den Arbeitstag, erbringt er auch bessere Arbeitsleistung. 

Um typische belastende und unterstützende Aspekte im morgendlichen Alltag arbeitender Eltern noch detaillierter zu identifizieren, hat die MSH im Frühjahr 2017 zwölf leitfadengestützte Interviews mit berufstätigen Eltern in Flensburg und Hamburg geführt. Die Teilnehmer schilderten eine Vielzahl von Belastungen, die Zeitdruck und Ärger auslösen. Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass Eltern über einen Pool an Bewältigungsstrategien verfügen, um Stress abzumildern. Die qualitative Auswertung der Interviews zeigte, dass sowohl unmittelbare Ereignisse im Familienumfeld als auch kommunale und betriebliche Rahmenbedingungen als Stressoren oder Ressourcen wahrgenommen werden. So sind typische Stressoren während der morgendlichen Kinderbetreuung unter anderem emotional belastende Situationen, Trödeln oder Bockig sein des Kindes oder das Abweichen von der Routine. Als hilfreich wird z.B. eine fröhliche Laune und ein gutes „Mitmachen“ der Kinder oder eine gute Vorab-Planung wahrgenommen. Regionale Faktoren, die bereits am Morgen Stress auslösen, sind zum Beispiel unpünktliche oder sehr volle öffentliche Verkehrsmittel oder ein langer Anfahrtsweg zur Arbeit und/oder Betreuungseinrichtung des Kindes. Hingegen mildern kurze Anfahrtswege und flexible Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtung den morgendlichen Zeitdruck ab. Ebenso wird ein flexibler Arbeitszeitbeginn als betrieblicher Faktor als stressmildernd empfunden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage zur Erstellung von Trainingselemente, die Stressoren am Morgen durch individuelle Maßnahmen (z.B. Zeitmanagement) abmildern und gleichzeitig helfen sollen, Ressourcen aufzubauen.

Wann wir uns gestresst fühlen: Tagebuchstudie und physiologische Stressmessungen in Flensburg

Welche Faktoren führen dazu, dass man an manchen Tagen schon erschöpft aufwacht, sich an anderen aber trotz Stress bis in die Abendstunden wohl fühlt und leistungsfähig bleibt? Das ist eine der Fragestellungen, denen das Teilprojekt der Medical School Hamburg unter Leitung von Prof. Jan Dettmers nachgeht. Dafür wird in der Zielregion Flensburg eine Tagebuchstudie mit Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmern durchgeführt, deren Betrieb an der Mitarbeiterbefragung durch die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg teilnimmt.

In der Tagebuchstudie werden das psychologische Wohlbefinden (z.B. Erschöpfung, Schlafqualität), arbeitsrelevante Faktoren (z.B. Konzentration, Arbeitsleistung) und familien- und freizeitbezogene Aspekte (z.B. Erholungserfahrung, Belastungen am Morgen) insgesamt viermal täglich über fünf Tage hinweg erfasst. Zudem geben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fünfmal täglich eigenständig Kortisolproben ab. Bei Kortisol handelt es sich um einen physiologischen Marker für Stress. Ziel der Studie ist es u.a. herauszufinden, welche Faktoren im Tagesverlauf zu subjektivem (z.B. Erschöpfung) und objektivem Stress führen (Veränderungen im Kortisolverlauf). Außerdem wird der Einfluss von betrieblichen Rahmenbedingungen wie etwa eine flexible Arbeitszeitgestaltung auf diesen Zusammenhang untersucht.

Um die Motivation zu erhöhen, erhalten die Befragten ein kleines Paket nützlicher Alltagsartikel (z.B. Powerbank, Kaffeebecher) und zahlreiche Anti-Stress-Tipps sowie bei Abgabe der Kortisolproben eine monetäre Aufwandsentschädigung als Anreiz und Dankeschön für die Teilnahme. Bis Mitte September haben bereits zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Flensburg an der Studie teilgenommen. Die Rekrutierung läuft weiterhin. Erste Ergebnisse stehen somit noch aus.

Erster Ergebnisbericht der Mitarbeiterbefragung in Adelby 1

Im September 2017 konnte die erste Rückmeldung der Mitarbeiterbefragung und der Expertenbefragung durch die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und die Medical School Hamburg an einen teilnehmenden Betrieb in Flensburg fertiggestellt werden. Bei dem Unternehmen, Adelby 1 Kinder- und Jugenddienste, handelt es sich zugleich um einen Verbundpartner. Insgesamt nahmen 262 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an der Befragung teil – was einer erfreulich hohen Rücklaufquote von 57% entspricht. Die Ergebnisse geben der Geschäftsführung Einblick in gegenwärtige und gewünschte Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitpräferenzen und der Ausprägung von unterstützenden und stressreichen Faktoren im Arbeitskontext. Sie können somit – bei Bedarf – als Grundlage für weitere Maßnahmen zur Optimierung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen.

Konstituierende Sitzung der AG Sozial-ökologische Arbeits- und Zeitforschung am IÖW mit vielen spannenden Themen!

Für den 2-tägigen Workshop trafen sich Wissenschaftler und Praktiker aus Deutschland und Österreich, um sich gemeinsam über das Themengebiet der sozial-ökologischen Arbeits-und Zeitforschung auszutauschen. Am ersten Tag ging es vor allem darum, sich kennenzulernen und zu erfahren, welche fachlichen und Projekt-bezogenen Bezüge die einzelnen Teilnehmer haben. In einem World Café wurde dann das Forschungsfeld näher bestimmt, Zusammenhänge, zwischen Arbeit, Zeit und Ökologie beschrieben sowie offene Fragestellungen diskutiert.

Der zweite Tag wurde mit einem Input Beitrag zum Thema Post-Work begonnen, welches auf einer grundlegenden Kritik des heutigen Arbeitsbegriffes basiert und Visionen für eine Gesellschaft entwirft, in der Einkommen und Lohnarbeit entkoppelt werden, beispielsweise durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Anschließend wurde diskutiert, welche Chancen sich für eine gesellschaftliche Transformation im Kontext von Klima- und Finanzkrise, Digitalisierung und demografischen Wandel ergeben und wie der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in den gesellschaftlichen Diskurs und die politische Praxis unterstützt werden kann.

Der zweite Themenblock, zum Thema Zeitpolitik, begann mit einem spannenden Vortrag über zeitpolitische Ansätze verschiedener Parteien, die aktuell insbesondere im Bereich der Familienpolitik verortet sind. Nach dem Vortrag tauschte man sich darüber aus, warum zeitpolitische Themen nicht stärker im Bundestagswahlkampf artikuliert wurden und welche Erfahrungen und Erfolge im Bereich der lokalen Zeitpolitik bereits existieren. Als Vorbild wurde hier Italien genannt, welches bereits im Jahre 2000 ein nationales Gesetz zur Umsetzung von zeitpolitischen Maßnahmen auf lokaler bzw. kommunaler Ebene verabschiedet hat.
Abschließend sprachen sich viele der Teilnehmenden dafür aus, sich weiter zu vernetzen und die AG zunächst durch einen intensiven inhaltlichen Austausch fortzuführen. Insbesondere sollen Verbindungen zwischen Arbeitszeitforschung und Zeitpolitik stärker ausgearbeitet werden. Ein weiteres Treffen ist für den Anfang des nächsten Jahres geplant.

9. Bundesnetzwerkkonferenz der Vereinbarkeitsprojekte und -initiativen am 22. und 23. Juni in Flensburg

Organisiert von Svenja Mix und ihrem Team aus der Stadt Flensburg fand am 22. und 23. Juni 2017 die 9. Bundesnetzwerkkonferenz der Vereinbarkeitsprojekte und -initiativen statt. Hierbei gab es für die Teilnehmer, die sich aus ganz Deutschland eingefunden hatten, nicht nur die Gelegenheit, sich ausführlich zu den Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auszutauschen, sondern auch Flensburg und die betriebsnahe Kinderbetreuung kiwi, die von Adelby 1 getragen wird,  kennenzulernen. Ein Bericht über die Konferenz findet sich bei Focus online.

Teilnehmer Bundesnetzwerkonferenz

Die Teilnehmer der 9. Bundesnetzwerkonferenz der Vereinbarkeitsprojekte und -initiativen, 22.-23.06.2017 in Flensburg

Beiratsmitglied Prof. Ulrich Mückenberger zu Gast an der Europa Universität Flensburg

Am 23. und 24.05.2017 war Dr. Ulrich Mückenberger, Professor am Zentrum für Europäische Rechtspolitik der Universität Bremen, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik, Beiratsmitglied im Projekt Lebenszeit 4.0 und ausgewiesener Experte auf dem Feld der Zeitpolitik, an der Europa Universität Flensburg zu Gast.

Am 23.05. hielt Herr Mückenberger im Rahmen des interdisziplinären Kolloquiums „Zeit und Zeitgeist“ einen Vortrag zum Thema Kommunale Zeitpolitik im förderalen System. NRW als Beispiel“, und ließ am folgenden Tag das Projektteam Lebenszeit 4.0 im Rahmen eines Meetings an seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz in Bereich der Zeitpolitik teilhaben.

Wir bedanken uns bei Herrn Mückenberger für den Besuch und die Inspiration und freuen uns auf das nächste Zusammenkommen!

Prof. Mückenberger zu Gast an der EUF

Prof. Ulrich Mückenberger (Universität Bremen) und Projektmitarbeiterin Carolin Wendt (Medical School Hamburg) tauschen einander aus (Mitte: Axel Czaya, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg)

Zeit und Zeitgeist – Ein interdisziplinäres Kolloquium der Europa-Universität Flensburg im Sommersemester 2017

Ort und Zeit: Dienstags, 18:15-20:00, Gebäude Helsinki, Raum 167

Programm:

  • 25. April: Jürgen Rinderspacher (Westfälische Wilhelms-Universität Münster): Zeitarmut und Zeitwohlstand: eine (auch) ethische Frage
  • 02. Mai: Sebastian Stagl (Berlin): Zeit in der Moderne. Auf der Suche nach der sozialen Zeit
  • 09. Mai: Europawoche: Bitte Sonderankündigungen beachten
  • 16. Mai: Carsten Hobohm (Europa-Universität Flensburg): Gesellschaftliche Herausforderungen im Plastozän
  • 23. Mai: Ulrich Mückenberger (Universität Bremen): Kommunale Zeitpolitik im förderalem System. NRW als Beispiel
  • 30. Mai: Wenzel Mattiaske (Helmut Schmidt Universität Hamburg): Arbeitszeitwünsche – ein umkämpftes Feld
  • 06. Juni: Mathias Albert (Universität Bielefeld): Globale Zukünfte – Soziale Differenzierung und die Evolution der Weltpolitik
  • 13. Juni: Jan Dettmers (Medical School Hamburg): Zeitstress: eine psychologische Einschätzung
  • 20. Juni: Pascal Dehom (Europa-Universität Flensburg): Zeiten des gemeinsamen Handelns. Eine philosophische Erkundung
  • 27. Juni: Ulrich Teichler (Universität Kassel): Wissenschaft im Turbomodus
  • 04. Juli: Mei Wang (WHU Vallendar): How Time Preferences Differ Internationally and why this matters