Archiv der Kategorie: Projektnews

Tagung der Fokusgruppe 4: „Individualisierte und präventive Arbeitsgestaltung“ am 13. Februar 2019 in Bad Oeynhausen

Am 13. Februar 2019 tagt die Fokusgruppe 4: „Individualisierte und präventive Arbeitsgestaltung“ des Förderschwerpunkts „Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ in Bad Oeynhausen. Weitere Informationen zur Veranstaltung und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich hier.

Ergebnisse des Arbeitszeitzirkels „Im Takt der Region: Arbeits‐ und Lebenszeit in Flensburg – Befunde und Bedarfe aus betrieblicher Sicht“, Adelby 1, Flensburg, 09.05.2018

Am 09.05.2018 hatte das Team Lebenszeit 4.0 Flensburger Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Vertreter der Stadt in die neue Geschäftsstätte von Adelby 1 eingeladen, um über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren und gemeinsam regionale Bedarfe und Herausforderungen bei der Arbeits(zeit)gestaltung zu identifizieren und erste Lösungsansätze zu diskutieren.

Unter dem Rückgriff auf die Kreativitätstechnik der „sechs Denkhüte“ wurden der demografische Wandel, Arbeitsverdichtung, Flexibilisierung der Arbeit, Chancen und Risiken der Digitalisierung, (infra-)strukturelle Aspekte, aber auch die Möglichkeiten der regionalen Vernetzung als bedeutsame Oberthemen identifiziert.

Ein Kernergebnis des Arbeitszeitzirkels besteht darin, die Vernetzung der relevanten Akteure der Region in Hinblick auf die Herausforderungen der Arbeits(zeit)gestaltung stärken zu wollen, was unter anderem die folgenden Möglichkeiten eröffnet:

  • Es werden Akteure aus unterschiedlichen Bereichen verbunden, die voneinander lernen (z.B. durch den Austausch von Best-Practice-Beispielen) und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln können, die sich nicht notwendigerweise auf das Vereinbarkeitsthema beschränken müssen.
  • Regionale Bedarfe, die das Vereinbarkeitsthema betreffen, können effektiver gebündelt und artikuliert werden.
  • Regionales Konkurrenzdenken („Wettbewerb um die besten Köpfe“) wird zugunsten regionaler Kooperation überwunden (z.B. durch die Installation eines „Mobilitätsnetzwerkes Personal“).
  • Die Institutionalisierung des Themenkomplexes Vereinbarkeit wird als erstrebenswert betrachtet.

Als geeignete Plattform hierfür wurde das von der Bundesagentur für Arbeit, der Bertelmann & Hacker KG und der Stadt Flensburg initiierte Netzwerk „Vereinbarkeit 4.0“ identifiziert, das sich zurzeit im Aufbau befindet und zur Erhaltung der Beziehungsstrukturen, die im Rahmen des Projekts Lebenszeit 4.0 entstanden sein werden, beitragen soll.

Wir bedanken uns bei den Teilnehmern des Arbeitszeitzirkels für ihr Engagement und werden in Kürze über die weiteren geplanten Aktivitäten im Rahmen des Projekts Lebenszeit 4.0 und des Netzwerks „Vereinbarkeit 4.0“ informieren.

Ihr Team Lebenszeit 4.0

Workshop beim Familientag Rendsburg am 15. Mai 2018: Beitrag des Projekts „Lebenszeit 4.0 – Zeitgerechte Region am Beispiel Nordstadt+“

Im Rahmen des ersten landesweiten Familientages Schleswig-Holsteins war das Projekt Lebenszeit 4.0 vertreten. Während Svenja Mix die spannenden Vorträge grafisch begleitete, organisierte die Medical School Hamburg einen Workshop zum Thema „Keine Zeit, keine Zeit – Familien im Zeitstress und was sie dagegen tun (können)“. Wie entsteht Zeitstress? Welche Rolle spielen dabei familiäre, betriebliche und regionale Faktoren? Wieso fällt es insbesondere berufstätigen Eltern oft schwer die Anforderungen verschiedener Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen? Diese Fragen wurden in kleiner Runde mit Eltern und Kindern diskutiert. Im Workshop wurden die Ursachen von Zeitstress näher beleuchtet und gemeinsam mit den Familien Möglichkeiten gegen Zeit- und Vereinbarkeitsstress entwickelt. Entspannt – bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen – ließen danach alle den Nachmittag mit Leckereien vom Grill ausklingen.

Eine Zusammenfassung des Workshops findet sich hier.

„Im Takt der Region“: Informationsveranstaltung der Stadt Flensburg und des Projekts Lebenszeit 4.0 zur Vereinbarkeit zeitlicher Herausforderungen in der Region

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg und das Projekt Lebenszeit 4.0 luden am 3. November zur Veranstaltung „Im Takt der Region“, um das Projekt kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region näher zu bringen und den Nutzen einer Kooperation mit den unterschiedlichen Projektpartnern zu verdeutlichen. Im gemütlichen Ambiente des Flensburger Schifffahrtmuseums referierten zunächst zwei Gäste aus Thematisch verwandten Modellprojekten in anderen Regionen Deutschlands.

Frau Dr. Silke Eilers stellte Ergebnisse aus dem Projekt zeitreich (http://projekt-zeitreich.de/) vor, welches sich mit der Zufriedenheit von Arbeitnehmern mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen und der sozialpartnerschaftlichen Moderation von betrieblichen Arbeitszeitkonflikten in unterschiedlichen Branchen befasst.

Im zweiten Vortrag berichtete Anja Dornblüth-Röhrdanz aus ihrer mehr als 10-jährigen Erfahrung mit dem Thema Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben in Mecklenburg-Vorpommern und spannte den Bogen – ebenfalls ausgehend von der betrieblichen Arbeitszeitpolitik – bis hin zu verschiedenen kommunalen Handlungsfeldern.

Abschließend stellte Prof. Wenzel Matiaske die Übertragbarkeit der vorgestellten Erkenntnisse auf das Projekt Lebenszeit 4.0 vor und betonte die Bedeutung der Vernetzung unterschiedlicher Akteure in der von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Stadt Flensburg.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für die anregende Diskussion und das Interesse am Projekt.

Sind Eltern schon bei Ankunft am Arbeitsplatz erschöpft? Wie sich morgendliche Erlebnisse auf Wohlbefinden und Arbeitsleistung auswirken

In der „Rush Hour“ des Lebens pendeln berufstätige Eltern täglich zwischen den Bereichen Familie und Arbeit. Ob die Balance der beiden Aufgabenfelder gelingt oder zur Doppelbelastung wird, hängt zum Großteil davon ab, wie ressourcen- oder stressreich sie wahrgenommen werden. Das Teilprojekt „Zeitkonflikte und Gesundheit“, das von der Medical School Hamburg im Rahmen des BMBF geförderten Projektes Lebenszeit 4.0 durchgeführt wird, hat sich dabei unter Leitung von Prof. Jan Dettmers einem Aspekt gewidmet, der bisher kaum Beachtung fand: Der Einfluss morgendlicher Erlebnisse in der Familie und auf dem Anfahrtsweg. Im Gegensatz zu kinderlosen Arbeitnehmern sind berufstätige Eltern vor Ankunft am Arbeitsplatz mit der täglichen Kinderbetreuung konfrontiert. Diese kann sowohl Zeitstress auslösen, aber auch positive Erlebnisse beinhalten. Fördert das morgendliche Familienleben Ressourcen wie etwa eine positive Stimmung, ist man auch auf Arbeit entspannter und kann den anstehenden Aufgaben konzentrierter nachgehen (Conservation of Resources Theory; Hobfoll 1989, 2002). Morgendliche Stressoren bewirken das Gegenteil: Um sie zu kompensieren, müssen Ressourcen eingesetzt werden, die dann zur Erfüllung der Arbeitsaufgaben fehlen.

 Um diese Annahmen zu testen, wurde im Rahmen des Lebenszeit 4.0-Projektes eine Tagebuchstudie in Hamburg durchgeführt. Insgesamt haben rund 120 arbeitende Eltern über fünf Tage hinweg je viermal täglich einen Fragebogen ausgefüllt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Erschöpfung zwischen dem Aufwachen und der Ankunft auf Arbeit an Tagen, die besonders viele Stressoren am Morgen bereithalten, deutlich höher ist als an weniger stressreichen Tagen. Die Stressoren wirken sich zudem negativ auf die Stimmung aus. Viele Ressourcen in der Familie und auf dem Anfahrtsweg hingegen führen dazu, dass sich die Stimmung bei Ankunft auf Arbeit besser ist als an Tagen, an denen weniger Ressourcen erlebt werden. Die Studie wies außerdem nach, dass sowohl die Stimmung als auch der Grad an Erschöpfung bei Ankunft am Arbeitsplatz die Arbeitsleistung beeinflussen. Startet der Arbeitnehmer gelassen und erfrischt in den Arbeitstag, erbringt er auch bessere Arbeitsleistung. 

Um typische belastende und unterstützende Aspekte im morgendlichen Alltag arbeitender Eltern noch detaillierter zu identifizieren, hat die MSH im Frühjahr 2017 zwölf leitfadengestützte Interviews mit berufstätigen Eltern in Flensburg und Hamburg geführt. Die Teilnehmer schilderten eine Vielzahl von Belastungen, die Zeitdruck und Ärger auslösen. Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass Eltern über einen Pool an Bewältigungsstrategien verfügen, um Stress abzumildern. Die qualitative Auswertung der Interviews zeigte, dass sowohl unmittelbare Ereignisse im Familienumfeld als auch kommunale und betriebliche Rahmenbedingungen als Stressoren oder Ressourcen wahrgenommen werden. So sind typische Stressoren während der morgendlichen Kinderbetreuung unter anderem emotional belastende Situationen, Trödeln oder Bockig sein des Kindes oder das Abweichen von der Routine. Als hilfreich wird z.B. eine fröhliche Laune und ein gutes „Mitmachen“ der Kinder oder eine gute Vorab-Planung wahrgenommen. Regionale Faktoren, die bereits am Morgen Stress auslösen, sind zum Beispiel unpünktliche oder sehr volle öffentliche Verkehrsmittel oder ein langer Anfahrtsweg zur Arbeit und/oder Betreuungseinrichtung des Kindes. Hingegen mildern kurze Anfahrtswege und flexible Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtung den morgendlichen Zeitdruck ab. Ebenso wird ein flexibler Arbeitszeitbeginn als betrieblicher Faktor als stressmildernd empfunden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage zur Erstellung von Trainingselemente, die Stressoren am Morgen durch individuelle Maßnahmen (z.B. Zeitmanagement) abmildern und gleichzeitig helfen sollen, Ressourcen aufzubauen.

Wann wir uns gestresst fühlen: Tagebuchstudie und physiologische Stressmessungen in Flensburg

Welche Faktoren führen dazu, dass man an manchen Tagen schon erschöpft aufwacht, sich an anderen aber trotz Stress bis in die Abendstunden wohl fühlt und leistungsfähig bleibt? Das ist eine der Fragestellungen, denen das Teilprojekt der Medical School Hamburg unter Leitung von Prof. Jan Dettmers nachgeht. Dafür wird in der Zielregion Flensburg eine Tagebuchstudie mit Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmern durchgeführt, deren Betrieb an der Mitarbeiterbefragung durch die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg teilnimmt.

In der Tagebuchstudie werden das psychologische Wohlbefinden (z.B. Erschöpfung, Schlafqualität), arbeitsrelevante Faktoren (z.B. Konzentration, Arbeitsleistung) und familien- und freizeitbezogene Aspekte (z.B. Erholungserfahrung, Belastungen am Morgen) insgesamt viermal täglich über fünf Tage hinweg erfasst. Zudem geben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fünfmal täglich eigenständig Kortisolproben ab. Bei Kortisol handelt es sich um einen physiologischen Marker für Stress. Ziel der Studie ist es u.a. herauszufinden, welche Faktoren im Tagesverlauf zu subjektivem (z.B. Erschöpfung) und objektivem Stress führen (Veränderungen im Kortisolverlauf). Außerdem wird der Einfluss von betrieblichen Rahmenbedingungen wie etwa eine flexible Arbeitszeitgestaltung auf diesen Zusammenhang untersucht.

Um die Motivation zu erhöhen, erhalten die Befragten ein kleines Paket nützlicher Alltagsartikel (z.B. Powerbank, Kaffeebecher) und zahlreiche Anti-Stress-Tipps sowie bei Abgabe der Kortisolproben eine monetäre Aufwandsentschädigung als Anreiz und Dankeschön für die Teilnahme. Bis Mitte September haben bereits zehn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Flensburg an der Studie teilgenommen. Die Rekrutierung läuft weiterhin. Erste Ergebnisse stehen somit noch aus.